Bericht aus Gambia

20
November
2010

Das neue Schuljahr hat am 15. September begonnen. Dies sind die Zahlen und Fakten...

Wir haben 272 Schüler in drei Vorschulklassen und 5 Grundschulklassen.
Zwei Lehrerinnen, ein Lehrer und ein Assistent unterrichten in den Vorschulklassen, eine Lehrerin und vier Lehrer in den Grundschulklassen. Die Grundschullehrer werden weiterhin von dem Elternkommitee bezahlt. Weitere Angestellte: Ein Religionslehrer, ein Bibliothekar (er unterrichtet mit Hilfe des Assistenten auch die 3. Vorschulklasse, zwei Köchinnen, eine Putzfrau, ein Nachtwächter und der Schulleiter.

Die Schule ist sehr beliebt in der Umgebung. Fast täglich kommen Eltern, die ihre Kinder bei uns anmelden wollen, die wir aber abweisen muessen, weil die Klassen jetzt schon ueberfüllt sind.
Aus den zwei Vorschulklassen haben wir jetzt drei gemacht. Das geht aber nur, weil ein Raum für die kommende 6. Klasse im Moment noch frei ist. Gerade heute war ich dabei, als ein holländisches Ehepaar Sambou regelrecht angefleht hat, ihr Patenkind in der Vorschule aufzunehmen, weil die Schule, in der das Kind jetzt ist, die Prügelstrafe anwendet.

Die Kinder bekommen weiterhin ein Frühstück (Porridge).

Das Schulgeld für die Grundschule beträgt weiterhin 400 Dalasis pro Term, also alle drei Monate (das sind ca. 10 EUR). Die Vorschule kostet die Hälfte.
Ein Lehrer verdient je nach Ausbildung und Dienstalter zwischen 2000 und 3700 Dalasis.

Der Schulleiter wohnt jetzt in seiner neuen Dienstwohnung. Der Wohltäter Abdul Azziz, mit deutschem Namen Jürgen Wendtland, hat uns beim Bau des Lehrerhauses wie schon bei anderen Baumaßnahmen finanziell unterstützt. Es ist natürlich gut für den Betrieb der Schule, wenn der Schulleiter auf dem Gelände wohnt. Für die Familie ist es allerdings auch stressig, denn die Eltern kommen zu jeder Zeit um ihre Probleme zu besprechen.

Alle Klassenräume und die Grundstücksmauer brauchen einen neuen Anstrich. Möbel müssen ergänzt werden. Die Dienstwohnung braucht in drei Zimmern noch Bodenfliesen. Wir hoffen, dass eine hiesige NGO den Umbau der ehemaligen Lehrerwohnung in ein Klassenzimmer für die kommende 6. Klasse übernimmt. Das hängt von dem Erlös aus einer Autoversteigerung am 29.11. ab, die diese NGO organisiert. (Rally Dresden-Banjul). Hoffentlich klappt das, es würde unserem Budget für 2011 sehr gut tun.

Die Computer, die uns im letzten Jahr geschenkt wurden , haben sich als sehr störanfällig erwiesen. Im Moment funktioniert nur noch einer von vieren und der von Urte gespendete Laptop.
Wir hoffen, von unseren Mitgliedern einige Geräte zu bekommen, die wir dann im März mit einem Container des Kambengo-Vereins herschicken könnten. Kambengo betreibt eine Vorschule in Sukuta, der Vereinssitz ist in Berlin und wir arbeiten eng und gut zusammen.

Im Frühjahr habe ich mit einigen Kindern aus der 4. Klasse drei Geschichten entwickelt. Sie wurden dann illustriert und in Berlin gedruckt. Die Büchlein sind nun wieder in unserer Bücherei angekommen und motivieren die Kinder zum Lesen. Andere Schulen haben auch schon Interesse gezeigt. Vielleicht können wir noch weitere Geschichten oder anderes Unterrichtsmaterial selbst herstellen. Im Auftrag des Vorstandes habe ich einen Test für unsere 5. Klasse entwickelt. Er soll zeigen, wieviele der 35 Kinder einen unbekannten (einfachen) Text sinnerfassend lesen können, ein kurzes Diktat und eine eigene Geschichte schreiben können und 10 einfache Rechenaufgaben in den Grundrechenarten im Kopf lösen können.

Dies ist der Test:

1. READING COMPREHENSION
A HEAD ON THE FENCE
It was late at night when Binta woke up. She went outside to go to toilet. It was very dark and she heard a strange noise, something like: uhuhu.....Then she saw a big head with long hair just on top of the compound fence. Binta ran quickly to the toilet and than back into the room. Her heart was beating very fast.
She could not sleep so she went to her brother Salif and said:
Salif, wake up! There is a Ghost in the compound Salif jumped ou of bed and took his torch.
Where is it? He cried..
On the fence, answered Binta.
Salif pointed the torch to the fence and what did they see?
A broom was leaning at the fence with the brush up. So that was the ghost!

Answer the questions:
Why did Binta get up?
What did she hear?
Why could she not sleep?
What is her brother's name?
Was there a ghost in the compound?

2. COMPOSITION
Write a story with these three words inside! dog – dark – running

3. DICTATION
In our school we must speak English. Sometimes that is not easy. When we play with our friends we forget it and speak Mandinka. Our teachers do not like to hear that because we are here to learn.

4. MATHS
Write down only the results:
1. 20 plus 40
2. 50 minus 20
3. 70 plus 35
4. 145 minus 65
5. 3 times 5
6. 8 times 6
7. 12 devided by 4
8. 42 devided by 7
9. 20 minus 10 plus 50
10. 400 minus 100 plus 65

Ich habe den Text selbst durchgeführt. (Eine Stunde) 35 von 36 Schülern der 5. Klasse haben teilgenommen. Sie arbeiteten sehr motiviert und diszipliniert. Es gab keine Verständigungsprobleme trotz meines ungewohnten Akzents in Englisch.
Die Ergebnisse:
Beim Leseverständnistext haben 16 Schüler alle fünf Fragen richtig , 13 Schüler eine Frage falsch oder missverständlich und 6 Schüler mehr als 2 Fragen falsch oder nicht beantwortet. Von den letzten sechs sind vier erst vor kurzem von anderen Schulen zu uns gekommen.

Diktat:
1 Schüler mit 0 Fehlern
16 Schüler mit 1 bis 4 Fehlern
5 Schüler mit 5 bis 8 Fehlern
12 Schüler mit 12 und mehr Fehlern.

Mathematik:
11 Schüler mit 0 Fehlern
12 Schüler mit 1 bis 2 Fehlern
9 Schüler mit 3 bis 4 Fehlern

Eigener Text:
24 Schüler haben einen verständlichen, mehr oder weniger interessanten Text mit strukturierten Sätzen verfasst zwischen 35 und 212 Wörtern lang.
10 Schüler haben keine zusammenhängenden Sätze formulieren können oder sie waren unleserlich.
Die 24 sinnvollen Texte können in einer weiteren Stunde beendet und dann den Mitschülern vorgelesen werden. Vielleicht können wir daraus ein neues Buch entwickeln.

Kommentar:
Das Ergebnis des Tests ist sehr ermutigend. Ca. zwei Drittel der Klasse können mehr als die meisten Jugendlichen, die die Upper Basic School besuchen (Ich kenne viele und kann vergleichen). Unser Ziel war es, die Schüler der 6. Grundschulklasse mit soliden Grundkenntnissen in Englisch und Mathematik an die weiterführenden Schulen zu geben. Wir sind auf dem Weg!
Mit Mr Wann, dem Lehrer der Klasse habe ich besprochen, dass Dikatübungen ein regelmäßiger Teil des Unterrichts werden müssen. Das findet bisher kaum statt. Auch Gelegenheit zum freien Schreiben muss öfter gegeben werden.
Vor den nächsten Osterferien wollen wir einen ähnlichen, etwas erweiterten Test durchführen.

Das waren die Nachrichten vom November. Ich wünsche euch einen schönen Winteranfang!

Profil

Förderverein Sukuta-Wannsee e.V.

Autor

Marina Jarra