Vorstellung des Projektes Bibliothek

30
Oktober
2011

Unsere verdienstvolle Projektleiterin "Bibliothek" stellte auf dem Festakt am 01.10.2011 den anwesenden Gästen das Bibliothek-Projekt des Freundeskreises vor.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

Sehr geehrte Gäste aus Gambia, Herr Sanneh und Herr Bojang,

liebe Unterstützer und Unterstützerinnen des Freundeskreises Sukuta-Moormerland,

 

vielen Dank, dass ich hier heute die Gelegenheit habe, das „Projekt Bibliothek“ des Freundeskreises Sukuta-Moormerland vorzustellen.

Aber zunächst möchte ich mich Ihnen kurz vorstellen. Mein Name ist Anna Stelthove-Fend. Von Beruf bin ich Diplom-Chemikerin, arbeite aber – was sicher viele erstaunen mag – beim Zoll. Denn der Zoll kontrolliert den Warenverkehr bei der Ein-  und Ausfuhr nicht nur durch Augenschein sondern es werden auch stichprobenweise Waren untersucht.

Ich lebe nicht hier in Moormerland sondern in Münster.

Doch nun zum „Projekt Bibliothek“. Wie kam es dazu?

Wie viele, die sich in Gambia engagieren, kam ich zunächst als Touristin und zwar im Januar 2000. Ich begleitete eine Freundin, die sich dort gut bereits auskannte und Menschen fotografierte. Und während sie fotografierte, hörte ich den Leuten zu und erfuhr von dem einen oder anderen Kind, das die Schule nicht besuchen konnte, weil den Eltern das Geld fehlte.

Bei dem Schulgeld geht es – wie wahrscheinlich viele von Ihnen wissen – für deutsche Verhältnisse um vergleichsweise niedrige Beträge. So kann man mit 20 Euro schon viel erreichen. Und so kam es, dass ich am Ende des Urlaubs 5 Patenkinder hatte, von denen einige zur Sukuta Upper Basic School gehen wollten und später auch gingen.

Natürlich schaute ich mir die Schule mit den Patenkindern an und lernte dabei den Schulleiter Mr. Sanneh kennen. Mr. Sanneh zeigte uns damals auch die Schulbibliothek. Es gab recht viele Bücher, meist ausgesondert aus Büchereien englischsprachiger Länder, aber leider gab es auch noch Termiten, die den Bücherbestand bedrohten. Außerdem waren die Regale auch schon recht alt. Von diesem Besuch habe ich selbst keine Fotos aus der Bibliothek. Von Holger Schneider habe ich, glaube ich, dieses Foto der Eingangstür der damaligen Bibliothek.

Bei dem Rundgang durch die Schule sah ich dann auch ein Wandgemälde mit der Aufschrift „Circle of Friends Sukuta Moormerland“. Und Mr. Sanneh erzählte mir so begeistert von der Unterstützung der Schule durch den Verein Sukuta-Moormerland, dass ich nach meiner Rückkehr nach Berlin, Kontakt zu dem Vorsitzenden dieses Vereins – nämlich Holger Schneider – aufnahm. Denn neben der individuellen Unterstützung der Patenkinder wollte ich etwas „Grundlegenderes“ machen, aber keinen eigenen Verein gründen, denn Vereine gibt es eigentlich schon genug. Was sie aber immer alle brauchen sind Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Und so wurde ich Mitglied des Freundeskreises Sukuta-Moormerland.

 

Von Anfang an hatte ich den Wunsch, speziell die Schulbibliothek zu fördern und war sehr froh, dass ich diesen Wunsch im Freundeskreis umsetzen konnte.

Warum ist die Schulbibliothek so wichtig für mich? Nun ich bin sicher, dass mein eigener Lebensweg ohne die Bibliothek in der Kirchengemeinde meines Heimatdorfes anders verlaufen wäre.

Ich bin mit sechs Geschwistern auf einem Bauernhof in dem Dorf Steinbeck aufgewachsen, das liegt in der Nähe von Münster und Osnabrück. Bücher und Lesen spielten in meinem Elternhaus keine große Rolle. Aber zu Anfang meiner Schulzeit wurde die „Borromäus-Bücherei“ in der katholischen Pfarrgemeinde eingerichtet. Und sonntags nach der Andacht am frühen Nachmittag führte mein Weg in diese Bibliothek. Durch das Lesen öffneten sich mir andere Welten, so führte mich z.B. das Eselchen Grisella mich von Italien durch die Welt. Ich bin sicher, dass das Lesen entscheidend für meine persönliche und natürlich auch schulische Entwicklung war und mir schließlich den Weg zum Studium öffnete.

Solche Möglichkeiten möchte ich auch Schülerinnen und Schülern in Afrika bieten. Aus den Erfahrungen mit den Patenkindern weiß ich, wie schwierig es die Kinder in Gambia haben. Buchstaben und Zahlen sind ihnen aus ihrer direkten Umgebung meist nicht vertraut. Es gibt nicht an jeder Ecke Straßenschilder, keine Bücher mit den „ersten Wörtern“ und – das könnte man noch als gut bezeichnen – nicht überall Reklametafeln. Die Unterrichtssprache ist Englisch, eine Fremdsprache. Die Muttersprache ist aber meist Mandinka und Woloff. Viele Eltern beherrschen die englische Sprache nicht und können folglich ihre Kinder nicht beim Lernen unterstützen auch wenn sie es gern wollten.

Mr. Sanneh wird bestätigen, dass viele Kinder, die in die 7. Klasse seiner Schule kommen, die englische Sprache nicht gut beherrschen und auch nicht gut lesen können. Da aber Lernen letztlich mit Lesen beginnt, fehlt den Kindern damit die Grundlage zum Lernen.

Kann eine Schulbibliothek da helfen?

Ja, wenn dort Bücher sind, die die Kinder ansprechen, z.B. durch Bilder. Die Texte, sollten interessant sein und einfach geschrieben sein. Was interessant ist, wird natürlich von jedem unterschiedlich beurteilt, deshalb kommt es auf eine Vielfalt von Texten an. Wenn möglich, sollten die Inhalte an der Lebenswelt der Kinder anknüpfen, dann erschließt sich manches von selbst, auch wenn man nicht jedes englische Wort versteht.

Geeignet sind z.B. Lesehefte Macmillan-Verlages, von denen ich einige Exemplare zur Ansicht mitgebracht habe. Wer will, kann sie sich nachher gern noch genauer ansehen. Sie liegen hier heute aus.

Bei Macmillan zu kaufen, ist vergleichsweise einfach, weil es eine Niederlassung in Gambia gibt. Sonst gibt es nur sehr kleine Läden für Schreibwaren und Schulbücher und einen sehr exklusiven Buchladen namens „Timbooktoo“.

Aktualisierung vom 7. November 2011: Leider gibt es die Niederlassung von Macmillan nicht mehr in Gambia. Auf der Buchmesse in Frankfurt am Main sah ich mir das Programm des Verlags Sub-Saharan Publishers aus Ghana an. Von diesem Verlag gibt es schon etliche Buchtitel in der Schulbiliothek (s.u.). In diesem Jahr gab es aber nur ein paar neue Titel, so dass sich ein Versand von Ghana nach Gambia nicht lohnt. Da ich sonntags auf der Messe war, konnte ich direkt ein paar Exemplare der Bücher kaufen. Besonders gut gefällt mir ein neues Buch von Meshack Asare "The Canoe's Story". -  Interessant ist auch das Programm des Verlags HEBN Publishers PLC aus Nigeria (www.hebnpublishers.com). Ich versuche gerade, dort Bücher zu bestellen und werde daüber berichten.

Es gibt noch nicht so viele Bücher gambischer Autorinnen und Autoren für Kinder und Jugendliche. Wenn ich welche sehe, versuche ich aber, sie vorrangig zu kaufen. Mitgebracht habe ich z.B. „The Magic Calabash“ von Nana Grey-Johnson, „Alhaji“ von Ebou Dibba. So ein Buch kostet in Gambia etwa 3 Euro. Der genaue Preis ist abhängig vom Wechselkurs.

Ich kaufte auch schon Bücher bei einem Verlag aus Ghana, z.B. „Sosu´s Call“. Es erzählt die Geschichte eines behinderten Jungen und wurde mit dem Kinderliteratur-Preis für Toleranz ausgezeichnet. Es ist eines der wenigen Kinderbücher eines afrikanischen Autors, das auch in die deutsche Sprache übersetzt wurde. Hier ist es unter dem Titel „Als Sosu sein Dorf rettete“ erhältlich.

Auf Interesse stoßen auch Biographien wie z.B. über Nelson Mandela und Barack Obama. Beim nächsten Besuch werde ich auch endlich eine über Bob Marley kaufen, der von vielen sehr verehrt wird.

Es wurden auch Bücher für den Unterricht gekauft, z.B. die Pflichtlektüre „Things Fall Apart“ von Chinua Achebe. Allerdings eine nacherzählte, verkürzte und vereinfachte Fassung, weil der Originaltext in der 7. Klasse viel zu schwer wäre. Hiervon wurden z.B. 250 Exemplare gekauft ebenso wie von der Pflichtlektüre für die 8. Klasse „Great Expectations“ von Charles Dickens.

Aber die Bibliothek ist nicht nur für die Schülerinnen und Schüler sondern auch für die Lehrkräfte, denn Bücher sind teuer. Eine Lehrkraft verdient zwischen 50 und 70 Euro im Monat. Das reicht nicht zum Leben und schon gar nicht für ein Buch von 10 oder gar 20 Euro.

Wenn möglich, kaufe ich, die Bücher wie möglich vor Ort. Damit wird auch ein kleiner Beitrag zur Wirtschaftsförderung geleistet.

Auch Regale lassen wir direkt an der Schule bauen. Ich zeige nun ein paar Bilder von der Bibliothek

In 2007 wurde dann die Bibliothek ein Opfer der Flammen und wurde in den „Science- room“ verlegt.

Er hatte keine Fenster und zwischen Wänden und Wellblechdach gab es Lücken. Deshalb staubten die Bücher völlig ein. Für einen Neubau für die Bibliothek fehlt das Geld. Deshalb wurden in diesen Raum Fenster eingebaut und die Lücken zwischen Wänden und Dach geschlossen.

Fotos

  • Schüler/innen in der Bibliothek
  • Der Bibliothekar, Mr. Manneh vor Regal mit Büchern aus Gambia und anderen afrikanischen Ländern.
  • Neue Bänke und Tische
  • Buch, in dem die Ausleihe von Büchern notiert wird
  • Karte von Gambia für die Klassenräume.
  • Bildungsziele für 2015
    1. Enhance early childhood care and education
    2. Provide free and compulsory primary education for all
    3. Promote learning skills for young people and adults
    4. Increase adult literacy by 50 percent
    5. Address gender disparity 2005
        Gender equality by 2015
    6. Enhance education quality

Doch allein mit dem Kauf von Büchern ist es nicht getan. Auf die Dauer ist auch z.B. an eine Leseförderung gedacht. Es gibt noch viel zu tun und viel zu lernen.

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer. Mit meinem Beitrag wollte ich Sie nicht nur selbstlos informieren, sondern hoffe auch, Ihr Interesse an dem Projekt geweckt zu haben und ende mit einem Zitat von Bertolt Brecht:

„Ach, sie gehen in die Irre,

die da denken,

dass am Geld nichts liegt.

Aus der Fruchtbarkeit wird Dürre,

wo der gute Strom versiegt.“

 

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.√

Profil

Freundeskreis Sukuta-Moormerland e.V.

Autor

Holger Schneider