Von Moormerland nach Gambia - ein Reisebericht

6
April
2015

Gambia war und ist Ebola-frei. Trotzdem leidet das Land extrem unter der Zurückhaltung der Reiseveranstalter in der Saison 2014/2015.

Trotz großer Bedenken von Verwandten, Freunden und Arbeitskollegen im Vorfeld der Reise wegen des Ausbruchs von Ebola in einigen westafrikanischen Ländern waren Frieda Schönfeld, Sabine Eckhoff, Gunda Harms, Helga und Joachim Killian sowie Holger Schneider Mitte Januar nach Gambia gereist. Sie vertrauten den Angaben der WHO, dass es bis dahin in Gambia keinen einzigen Ebola-Fall gegeben hatte und die Regierung des westafrikanischen Staates weitreichende Schutzmaßnahmen ergriffen hatte, um ein Übergreifen von Ebola auf Gambia zu verhindern. 

Von Leer aus ging es über Groningen mit dem Zug zum Flughafen Schiphol, um von dort aus mit einem Direktflug nach Gambia zu reisen. Gegen 22 Uhr Ortszeit betraten die meisten Mitglieder der Reisegruppe zum ersten Mal den Boden Gambias. Beim Betreten des Flughafengebäudes mussten all Reisenden ihre Hände desinfizieren, anschließend wurde die Körpertemperatur gemessen. Erst dann durften wir die Passkontrolle passieren.
Überall begegneten uns Hinweise und Informationstafeln, auf denen die Bürger mit vorbeugenden Maßnahmen vertraut gemacht wurden, wie sie sich vor einer Ansteckung mit Ebola schützen können. Dennoch sind die Menschen massiv von den Auswirkungen der Krankheit in Westafrika betroffen, da viele Reiseveranstalter ihre Buchungen für die ganze Saison storniert oder aber sehr ausgedünnt haben mit der Folge, dass sehr viele Hotels zu weniger als 50% belegt sind. Das bedeutet, dass die Angestellten, die auf die Einnahmen während der Hauptsaison angewiesen sind, weil viele Hotels in der anschließenden Nebensaison geschlossen sind, viel zu wenig oder gar kein Gehalt und auch kein Trinkgeld der Hotelgäste erhalten. Aber auch die Menschen, die in Restaurants, Supermärkten und Wechselstuben, auf den Touristenmärkten oder als Taxifahrer, Touristenführer, Obstverkäufer usw. auf die Einnahmen aus ihren Tätigkeiten angewiesen sind, sind davon betroffen, ganz zu schweigen von den immensen Einnahmeverlusten des Staates, der ohne jemals selbst von Ebola betroffen gewesen zu sein, diesem „ökonomischen Tsunami“ nichts entgegenzusetzen hatte. Die Menschen und das Land hatten „nur“ das Pech, ein Staat in Westafrika zu sein und somit mit haftbar gemacht zu werden für Ereignisse in den weiter entfernten Nachbarländern. 
Umso mehr freuten sich unsere Freunde und Partner, dass wir uns nicht haben bange machen lassen von der hektischen Ebola-Diskussion, sondern im Vertrauen auf die Richtigkeit der Angaben der WHO die Reise nach Gambia angetreten haben. Für uns war es wichtig, ein Zeichen der Solidarität zu setzen, für das unsere Freunde sehr dankbar waren. In unseren Gesprächen haben wir auch oft über Ebola gesprochen und dabei wurde deutlich, dass unseren Freunden durchaus bewusst war, was Ebola für sie und ihr Land bedeutet.
Für vier von sechs Teilnehmern war diese Reise die erste Begegnung mit einer ihnen bis dahin weitgehend unbekannten Gesellschaft, Kultur, Geschichte und Landschaft. 
Im Mittelpunkt standen natürlich die Begegnungen mit unseren Freunden und Partnern von der Sukuta Upper and Senior Secondary School in Sukuta. 
Und wieder waren wir beeindruckt von der Fröhlichkeit, Herzlichkeit, Offenheit und Gastfreundschaft unserer Freunde. Das spürten wir sowohl bei der Begrüßung in der Schule am 3. Reisetag als auch bei weiteren Besuchen an den folgenden Tagen. So wurden extra für diesen Anlass verfasste Begrüßungslieder von einem Chor vorgetragen und kleine Theaterstücke, die den Alltag der Schüler zum Inhalt hatten, aufgeführt. Und wenn immer unsere Gruppe die Schule besuchte, wehte im Fahnenrondell uns zu Ehren neben der Flagge Gambias auch die Moormerland-Flagge.
Auf Wunsch der Reiseteilnehmer konnten noch kurzfristig von der Schule ein Trommel- und Tanz-Workshop sowie ein Koch-Workshop organisiert werden. So konnten sich die Teilnehmer mit afrikanischen Rhythmen und mit der Zubereitung von Beef Domoda, einem typischen afrikanischen Gericht, vertraut machen.
Wir waren auch in diesem Jahr nicht mit leeren Händen nach Gambia gekommen, denn die Reiseteilnehmer hatten wie schon in den Vorjahren auch dringend benötigte Verbrauchsmaterialien wie Schreibblöcke, Schulhefte, Kreide, Kugelschreiber, Filzstifte, Bleistifte, Buntstifte, Lineale, Radiergummis, Zollstöcke usw. für die Schüler und Lehrer in ihrem Reisegepäck. 
Die größte Freude bereitete aber die Geldspende in Höhe von 9.800 € (8.000 € für die Fertigstellung des Daches der Assembly Hall, 1.800 € für die Schulbibliothek, u.a. für die Anschaffung von ca. 450 Mathebüchern). Zusätzlich hatten die Mitglieder der Reisegruppe den Betrag um 200 € aufgestockt. Mit diesem Geld wurden 12 dringend benötigte Englisch-Englisch Wörterbücher und Boxen für den Transport von Klassensätzen von der Bibliothek in die Klassenräume angeschafft.
Ein besonderes Erlebnis war wieder unsere Verabschiedung durch die Schüler, Lehrer, Schulleitung und Mitglieder des School Management Committees. Anwesend war auch ein Vertreter der Schulaufsicht, der in seinem Statement die hervorragende Bedeutung unserer nun schon bald 30-jährigen Zusammenarbeit für Sukuta und Gambia hervorhob und sie als Vorbild für andere Kooperationen von gambischen Schulen mit Partnern in Übersee bezeichnete. 
Verabschiedet wurde jeder von uns mit einem Geschenk und einem gemeinsamen Abendessen, das von Lehrerinnen und Schülerinnen der Schule vorbereitet worden war. Wir selbst verabschiedeten uns mit drei selbst getexteten Dankliedern in englischer Sprache von unseren Freunden.

Aber neben den Besuchen und Gesprächen mit unseren Freunden standen auch Ausflüge auf dem Reiseprogramm: ein Ausflug in die Hauptstadt Banjul mit dem Besuch des sonst sehr quirligen Albertmarktes, zusammen mit der Familie unseres Freundes Pamodou Joof ein ganztägiger Bootstrip mit einer Piroge auf dem Gambia-River, eine Fahrt zur Lamin Lodge am Gambia-River, ein Besuch des Museums und des Crocodile-Pools in Bakau und ein Tagesausflug in einem Jeep in den Süden Gambias abseits der großen Straßen. Und überall waren die Folgen des „Reise-Boykotts“ zu sehen: Orte, die sonst von vielen, vielen Touristen besucht werden, waren leer, und auch die Strandspaziergänge zeigten ganz deutlich, wie wenig Gäste sich in den Strandhotels aufhielten, wie leer die Strände waren. 

Wir selbst verabschiedeten und bedankten uns bei unseren Freunden für die unvergesslichen Stunden mit einer Einladung zum Abendessen am Vorabend unserer Abreise und dem Versprechen, im Dezember 2015 und im Frühjahr 2016 wieder nach Gambia zu reisen.
Und auch die Teilnehmer dieser Reise ließen sich wie viele vor ihnen vom „Gambia-Virus“ anstecken; sie sind nicht zum letzten Mal in Gambia gewesen.

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Profil

Freundeskreis Sukuta-Moormerland e.V.

Autor

Holger Schneider