Hilfe, die zu 100 Prozent ankommt...

20
Februar
2014

>...schreiben E. und H. Jelken, die kürzlich mit einer 10-köpfigen Reisegruppe aus Moormerland von einem Besuch unserer Partnerschule in Gambia zurückkamen.

Schon im vergangenen Jahr hielt sich eine Gruppe aus Moormerland aus Anlass des 25-jährigen Bestehens der Zusammenarbeit des Freundeskreises mit der Sukuta Upper and Senior Secondary School (SUSSS) in Gambia auf. Die Eindrücke und Erfahrungen dieser Reise bewogen einige Teilnehmer, auch 2014 wieder nach Gambia zu reisen, so auch Alfred Wübbena aus Veenhusen:

 

 „Im März 2013 hatte ich das erste Mal Gelegenheit, an einer Fahrt nach Gambia teilnehmen zu können..Alles, was ich über das Land und die Sukuta Upper Basic School gehört und auf Fotos gesehen hatte, war korrekt gewesen. Die Wirklichkeit aber sah dann doch ganz anders aus! Zwar wusste ich inzwischen einiges, für das reale Bild aber hatte vieles noch gefehlt: die greifbaren Eindrücke vor Ort, die wirklich andere Luft, das ganz andere Leben und vor allem die Menschen. Selten habe ich erlebt, dass Fremde, denen ich begegnet bin, stets offen auf mich zukamen und trotz aller Entbehrungen nicht zerknirscht waren. Im Gegenteil: Sie lächeln die Besucher an und heißen sie durch einfache Gesten willkommen. Zu keinem Zeitpunkt wird man als Fremder behandelt. Nein, man ist dort gern gesehen und die Bezeichnung "Smiling Coast" trifft auf dieses Land zu. Und das nicht nur in der touristisch erwachenden Küstenregion, sondern auch im Landesinneren, wo die Menschen auch heute noch vielfach kein fließendes Wasser und keinen Strom aus der Steckdose haben. Selbst das karge und entbehrungsreiche Leben hindert sie nicht, zufrieden zu sein und in sich zu ruhen....Diese beeindruckenden Erlebnisse aus 2013 hatten meine Frau Inge und mich nicht losgelassen. So stand es für uns außer Frage, dass wir im Januar 2014 wieder dabei sein wollten wenn es hieß: Raus aus dem norddeutschen Schmuddelwinter,  rein in den gambischen Winter."

 

Bei winterlichen Temperaturen ging es zunächst mit dem Bus nach Amsterdam zum Flughafen Schiphol, von wo aus am frühen Morgen der Flug nach Banjul, der Hauptstadt Gambias, startete. Nach fast 8-stündigem Flug mit Zwischenstopp auf den Kapverdischen Inseln erreichten wir gegen 13.30 Uhr Ortszeit den Zielflughafen Yundum International Airport.

 

Da wir viel zu früh  gelandet waren, erfolgte die herzliche Begrüßung durch unsere Freunde aus Sukuta nicht, wie sonst üblich, auf dem Flughafen, sondern in unserem Hotel, wohin uns unsere Freunde gefolgt waren. „Kaum angekommen, wurden wir von einer gemischten Abordnung aus Lehrkörper und Schülern/Schülerinnen zur Begrüßung umringt. Was für ein schönes Gefühl, immer wieder zu hören: How are you? Welcome in the Gambia! I‘m so happy to see you again! Es war zu spüren: Dies war für sie keine Pflichtübung, sondern sie machten es gerne, begrüßten uns wie Freunde sich begrüßen, überschwänglich mit Tanz und Gesang, voller Freude, uns wiederzusehen. Einige aus unserer Gruppe kannten sie ja noch aus 2013. Diese wurden sogleich geherzt und in den Arm genommen. Und die, die das erste Mal dabei waren, wurden einfach mit einbezogen. Denn unsere Freunde waren auch ihre Freunde,“ erinnert sich Alfred Wübbena.

 

Auch in diesem Jahr war die Reisegruppe aus Moormerland untergebracht im direkt am Atlantik gelegenen Hotel Bungalow Beach, in dem sich alle wieder sehr wohl fühlten. 

 

Im Mittelpunkt des Besuches standen Begegnungen mit den Partnern und Freunden von der Sukuta Upper and Senior Secondary School,  wo wir am Dienstag, d. 21.04.2014, von der Schulleitung, Mitgliedern des Kollegiums und des School Management Committees sowie allen Schülern des 7. Schuljahrgangs  herzlich in der Schule willkommen geheißen wurden. In ihrer Begrüßung stellte die Schulleiterin Mrs. Sosseh-Saidy die Bedeutung der Hilfe aus Moormerland heraus: 85% der Anlagen und Gebäude der Sukuta Upper and Senior Secondary School seien von den Freunden aus Moormerland finanziert worden. Ohne die Hilfe aus Moormerland würde es diese Schule so nicht geben, könnten hier heute nicht 1800 Schüler unterrichtet werden. Dafür sprach sie der Reisegruppe den aufrichtigen und von Herzen kommenden Dank des Kollegiums, der Schüler und Eltern, des School Management Committees, der Gemeinde Sukuta und der angrenzenden Gemeinden aus.  Die Besucher aus Moormerland hatten neben Verbrauchsmaterialien für Lehrer und Schüler und Büchern für die Schulbibliothek im Reisegepäck auch einen Scheck über 5.000 Euro für den weiteren Ausbau der Assembly Hall. Damit hat der Freundeskreis innerhalb eines Jahres der Sukuta Upper and Senior Secondary School mehr als 10.000 Euro zur Verfügung stellen können.

 

Anschließend stand ein Besuch beim neuen Alkalo (Bürgermeister) von Sukuta in dessen Compound auf dem Programm. In einem Gespräch würdigte der Alkalo die langjährige und nachhaltige Hilfe des Freundeskreises mit den Worten, der Freundeskreis aus Moormerland sei in den letzten 25 Jahren  „a very serious and reliable partner of  Sukuta community“ gewesen. Auch er bedankte sich bei den Teilnehmern und den Bürgern der Gemeinde Moormerland für die großzügige und langjährige Hilfe aus Moormerland.

 

In den folgenden Tagen standen auch Ausflüge ins „Hinterland“ auf dem Programm, um vor allem auch den Teilnehmern, die zum ersten Mal nach Gambia gereist waren, Möglichkeiten zu geben, Land und Leute und Flora und Fauna kennenzulernen. So wurde am 22.01.2014 der farbenprächtige und quirlige Albertmarkt in Banjul besucht, der mit seinen vielfältigen Angeboten die Besucher aus Moormerland sehr beeindruckte.

 

Ein Tagesausflug führte am 26.01.2014 die Reisegruppe auf überwiegend unbefestigten Wegen und Sandpisten durch die Savannenlandschaft u.a. in Dörfer und kleine Ortschaften abseits des touristischen Angebots in den Süden Gambias, wo den Teilnehmern Einblicke in das dörfliche Leben Gambias ermöglicht wurden.

 

Ein weiterer Tagesausflug führte am29.01.2014 einen Teil der Reisegruppe mit Jeep, Fähre und Piroge über Banjul, Barra auf das Nordufer des Gambiaflusses und weiter nach Juffureh, wo sie auch das eindrucksvolle Museum zur Geschichte des Sklavenhandels besuchten und von dort zur ehemaligen Sklaveninsel James Island mitten im Gambiafluss übersetzten.

 

Aber auch weitere Besuche in der Partnerschule und Gespräche mit der Schulleitung und Mitgliedern des School Management Committee standen auf dem Programm. So hatten u.a. Inge Mannes und Dr.Eberhard Erbslöh ein Multiple Choice Quiz über Deutschland und Gambia vorbereitet, das von Schülern der Klassen 7 bis 10 gelöst wurde (24.01.2014). Zusammen mit der Projektleiterin „Schulbibliothek“, Frau Dr. Anna Stelthove-Fend, die am Ende unseres Aufenthaltes ebenfalls in Gambia war, und Vorstandsmitgliedern des Freundeskreises wurden mit den Partnern Absprachen über weitere Vorhaben getroffen (31.01.2014).

 

Von den Schülern der Nachmittagsgruppe, der Schulleitung, dem School Management Committee, den anwesenden Kollegen, Vertretern der Gemeinde Sukuta und der Schulverwaltung der Region 2  wurde unsere Gruppe am 30.01.2014 mit allen guten Wünschen, Gesang, Tanz und einem leckeren Abendessen verabschiedet. Wir unsererseits verabschiedeten uns mit drei selbstgetexteten Liedern, in denen wir unseren aufrichtigen Dank für den unvergesslichen Aufenthalt zum Ausdruck brachten,  bei unseren Freunden und versprachen ihnen, dass wir wieder kommen werden.

 

Am Abend vor unserem Abflug hatten wir unsere Freunde am 31.01.2014 zu einem Abschiedsessen in ein Restaurant in Banjul eingeladen. Dort nutzten wir die Gelegenheit die persönlichen Kontakte zu vertiefen. Mit ein Wehmut im Herzen verabschiedeten wir uns von unseren Freunden. 

 

Von einer kleinen Delegation wurden wir am nächsten Nachmittag auf dem Flughafen auf die Heimreise geschickt. Pünktlich starteten wir den Rückflug, und nach 6-stündigem Flug erreichten wir  Amsterdam und nach weiterer 4-stündiger Busfahrt gegen 3:30 Uhr das winterliche Moormerland. Eine unvergessliche Reise war damit Vergangenheit. Es wird aber in 2015 bestimmt eine Neuauflage geben.

 

Abschließend möchte ich noch zwei Reiseteilnehmer zu Wort kommen lassen.

Egon und Helga Jelken aus Jheringsfehn schreiben: „Hilfe die zu 100% ankommt“ Diese Erfahrung machten wir am Bestimmungsort, weit weg von hier, in der Schule Sukuta. Wir spürten die Dankbarkeit der Schüler und der Lehrer. Ja sogar der Bürgermeister von Sukuta ließ es sich nicht nehmen, uns zu danken, wobei die Schulleiterin noch zum Ausdruck brachte, das 85% der anfallenden Baukosten der Schule vom Freundeskreis bezahlt wurden. Dein  Anstoß vor  gut 25 Jahren hat viel Nachhaltigkeit  bewirkt. Vielen herzlichen Dank Holger. Wir wünschen Dir viel Gesundheit und Kraft damit Du noch recht lange diesen Weg weiter gehen kannst. Herzliche Grüße von Egon u. Helga

 

Alfred Wübbena schreibt: „Über die Erlebnisse und Eindrücke könnte man stundenlang erzählen und seitenweise schreiben. Die Dankbarkeit unserer Schule für die Hilfestellung, die der FSM seit nunmehr 26 Jahren gibt, kann und muss natürlich übermittelt werden. Aber die Realität vor Ort lässt sich dadurch nicht vermitteln, das muss man selber erleben. Deshalb steht für meine Frau und mich fest: Wenn es irgendwie geht, sind wir im April 2015 wieder dabei. Es ist ein Gefühl, als ob in Gambia so etwas wie eine neue Familie zurückgeblieben ist, die nur darauf wartet, uns wieder am Flughafen in Banjul abholen zu können.“

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Freundeskreis Sukuta-Moormerland e.V.

Autor

Holger Schneider