Ansprache des 1.Vorsitzenden H.Schneider

30
Oktober
2011

H.Schneider begrüßte die Gäste, die trotz sommerlicher Temperaturen ins Rathaus gekommen waren und berichtete von den Anfängen, Zielen und Plänen des Vereins.

 

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Lücht,

verehrte Frau Stöhr als Vertreterin von Landrat Bramlage,

verehrte Frau Connemann (MdB),

verehrte Frau Modder (MdL),

lieber Mr. Sanneh, Principal der Sukuta Upper Basic School,

lieber Mr. Bojang, Vorsitzender des Eltern-Lehrer-Rates (PTA) der Sukuta Upper Basic School,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

liebe Freunde vom Freundeskreis,
 

es ist mir eine große Freude und Ehre, Sie  bei uns aus Anlass des 25-jährigen Bestehens des Freundeskreises Sukuta-Moormoerland e.V. hier im Sitzungssaal des Rathauses der Gemeinde Moormerland begrüßen und willkommen heißen zu dürfen. Gestatten Sie mir dazu noch eine kurze Anmerkung:

Wenn Ehepartner ihre Silberhochzeit feiern, ist  das ein Anlass für eine große Feier mit der Familie, mit Freunden und Nachbarn. Und bei Vereinen, die ihr 25-jähriges „Silber-Jubiläum“ feiern, ist das eigentlich auch ein Anlass für Feiern, die über den üblichen Rahmen hinausgehen, eben dem Anlass entsprechend. Auch werden langjährige Mitarbeiter ausgezeichnet.

Auf all das, auch auf eine Festwoche mit verschiedenen Aktivitäten, hat der Vorstand aber bewusst verzichtet auch aus Kostengründen, und stattdessen zu dem heutigen Empfang in einem bescheidenen Rahmen eingeladen.  Es ist aber geplant, im Jahr 2013 das 25-jährige Bestehen der Partnerschaft mit der Sukuta Upper Basic School  in Sukuta zusammen mit unseren Freunden und Partnern  in angemessener Weise zu feiern. Dazu wird dann eine größere Reisegruppe aus Moormerland nach Gambia reisen.

Neben den oben genannten Gästen begrüße ich besonders

  • den Ortsbürgermeister der Ortschaft Boekzetelerfehn, Herrn Wilhelm Oncken,
  • Herrn Pastor Menzel als Vertreter der ev.-luth. Kirchengemeinde Jherings-/Boekzetelerfehn,
  • den Schulleiter der Grundschule Jheringsfehn, Herrn Heeren,
  • Frau Wandscher als Vertreterin der Schule Moormerland,
  • Vertreter von Politik und Verwaltung der Gemeinde Moormerland und des Kindergartens Jheringsfehn
  • Vertreter des Hilfswerk „Arabras“, des Heimatvereins Moormerland sowie des Bürger- und Heimatvereins Jheringsfehn,
  • Vertreter des Seniorenkreises Neermoor, des Werder-Fan-Clubs Moormerland
  • sowie Freunde aus Sukuta, die nun schon seit Jahren mit ihren Familien in Oldenburg leben
  • und  Vertreter der regionalen Presse.

Wir wissen es zu würdigen, dass Sie an diesem Sonnabendnachmittag den Weg zu uns gefunden haben um mit uns gemeinsam dieses Jubiläum zu feiern anstatt im Kreise von Familie oder Freunden den Nachmittag zu verbringen. Seien Sie uns alle herzlich willkommen!

Leider konnten nicht alle geladenen Gäste diesen Termin wahrnehmen; so haben sich unter anderem Herr Michael Goldmann (MdB), Herr Landrat Bramlage, Roland Riese, MdL, aus Emden, der Ortsbürgermeister von Iheringsfehn, Arnold Eihusen, Altbürgermeister Harm Weber sowie einige Mitglieder des Freundeskreises entschuldigt. Sie lassen alle die Versammlung grüßen und wünschen ihr einen harmonischen Verlauf.


Meine sehr verehrten Damen und Herren,

als ich von 30 Jahren zum ersten Mal den Entschluss fasste, nach Gambia zu reisen, wusste ich nicht, was aus diesem Besuch erwachsen würde.

„Nach Ostafrika fährt man der Tiere wegen, nach Westafrika der Menschen wegen.“ hat einmal ein mir unbekannter Afrika-Reisender geäußert.
Ich kann den Beweis für die Richtigkeit dieser Aussage nicht antreten, denn ich bin nie in Ostafrika gewesen; meine erste Begegnung mit dem „schwarzen“ Kontinent hatte ich 1981 mit Menschen in Gambia und von da an hatte ich nie mehr das Bedürfnis, nach Ostafrika zu reisen, weil mich die Menschen in Gambia in ihren Bann gezogen und verzaubert hatten:

  • mit ihrer Offenheit und Aufgeschlossenheit, mit der sie mir begegnet sind,
  • mit ihrer Gastfreundschaft, die sie mir in so überaus großem Maße zuteil werden ließen,
  • mit der Würde, mit der sie trotz all der Not und Entbehrung ihr Leben gestalteten,
  • mit ihrem Stolz,
  • mit ihrem Anmut, ihrer Natürlichkeit,
  • mit ihrer ansteckenden Lebensfreude, die ihren Ausdruck findet in Musik und Tanz,
  • mit ihrer Neugier, ihrem Wissensdurst u.v.a.m.

Mit der gebotenen Zurückhaltung und dem Respekt vor diesen Menschen, der Akzeptanz ihrer Sitten und Gebräuche habe ich ihr Vertrauen und ihre Freundschaft erworben. Manche haben mir dieses Vertrauen praktisch als „Gastgeschenk“ entgegengebracht, andere brauchten Zeit, um mit diesem ihnen unbekannten Mann, der plötzlich in ihr Leben trat, vertraut zu werden wie die beiden jungen Pfadfinder aus Sukuta, die mich bei meinem ersten Besuch in Gambia 1981 schon am zweiten Tag meines Aufenthaltes bei einem Erkundungsgang ansprachen und,  nachdem wir uns gegenseitig vorgestellt hatten, fragten: „Do you want  to teach us German language?“

Ich willigte bereitwillig ein, nicht ahnend, welche Konsequenzen diese Zusage für mich und die Menschen in Sukuta haben würde!

Schon am nächsten Tag kamen beide nach einem etwa 90-minütigen Fußmarsch wieder an den Strand um den Unterricht zu beginnen. Sie waren bestens vorbereitet, hatten sie doch in einem Heft all das aufgeschrieben, was sie lernen wollten. Von da an kamen sie zwölf Tage lang täglich zu mir, blieben etwa 60 Minuten, um sich dann wieder auf den beschwerlichen Rückweg zu machen. Am Ende meines Aufenthaltes bestanden sie dann darauf in einer Prüfung ihr gelerntes Wissen anwenden zu können.

Diese Wissbegierde, diese Freude am Lernen, die Offenheit und  Freundlichkeit der beiden Jungen, aber auch ihre Neugier machten mich nun wiederum neugierig. Ich wollte die Schule, die solche wissbegierigen, neugierigen Schüler unterrichtete, kennen lernen, aber auch ihre Familien.

Der Besuch der Sukuta Primary School und der erste Kontakt mit dem Schulleiter Mr. Ndow und einigen Kollegen der Schule beeindruckte mich sehr. Die baulichen und räumlichen Voraussetzungen reichten bei weitem nicht aus, die vielen Schüler auch nur annähernd angemessen zu unterrichten.

In den folgenden Jahren besuchte ich immer wieder die Familien und die Schule in Sukuta und erfuhr auf diese Weise von den Schwierigkeiten der Schule. So entstand die Idee einer Schulpartnerschaft meiner damaligen Schule, der Schule Moormerland, mit der Sukuta Primary School, die dann 1985 begründet wurde.

Hier bot sich die Möglichkeit,

  • eine Begegnung zwischen den Kulturen  in unterschiedlichster Weise herzustellen und damit die eigene Lebensweise in einem anderen Licht zu sehen,
  • Interesse und Verständnis zu wecken für die Lebensverhältnisse von Kindern und Jugendlichen in unserem Partnerland Gambia und die Einsicht, dass Kinder und Jugendliche in Sukuta und Moormerland bei allen Unterschieden in den Lebensformen gleiche Interessen, Wünsche und Rechte haben und dass die Zukunft der Kinder in Gambia auch die Zukunft unserer Kinder in Moormerland ist,
  • ihnen gemeinsam  helfen zu können, Träume und Wünsche zu verwirklichen,
  • dass Schulpartnerschaften sich zu kommunalen Partnerschaften entwickeln, wie es hier bei uns im Landkreis Leer bereits die Stadt Leer praktiziert mit Araguacema, der  Region in Brasilien, in der das Hilfswerk ARABRAS seit Jahrzehnten so eindrucksvoll arbeitet.

Der Freundeskreis Sukuta-Moormerland e.V. wurde im März 1986 als gemeinnütziger Verein mit dem Ziel gegründet, den Kindern und Jugendlichen in der Ortschaft Sukuta (Republik The Gambia, Westafrika) eine qualifizierte Bildung und Ausbildung und damit eine Perspektive für die Gestaltung ihrer Zukunft und mehr Lebensqualität zu ermöglichen.

Der Verein ist der Überzeugung, dass es besser ist, den jungen Menschen vor Ort eine Ausbildung zu ermöglichen, die sie befähigt, ihre Zukunft in Würde zu gestalten, als dass sie oft unter Lebensgefahr aus wirtschaftlichen Gründen ihre Heimat verlassen und in fremden Ländern als unqualifizierte Arbeiter (meistens illegal) auf Arbeitssuche  gehen  oder abgeschoben werden.

Zunächst zur Unterstützung des Partnerschaftsprojekts der Schule Moormerland mit der Sukuta Primary School in Sukuta gegründet, entwickelte sich daraus 1988 das Partnerschaftsprojekt mit der Sukuta Secondary Technical School, der heutigen Upper Basic School, und die Partnerschaftsvereinbarung wurde im April 1988 im Erziehungsministerium hinterlegt. So können wir nun auf 23 Jahre erfolgreicher Zusammenarbeit mit der Sukuta Upper Basic School in Sukua (The Gambia) zurückblicken.

Seitdem hat sich mit finanzieller Unterstützung des Freundeskreises das Aussehen der Schule grundlegend verändert.

Ich will  hier an dieser Stelle auf einen Bericht über unser Engagement zugunsten der Sukuta Upper Basic School von 1988 an bis heute verzichten, da  an anderer Stelle darüber berichtet wird. Zum anderen liegt Ihnen dieser Bericht ja auch in Form unserer Dokumentation vor.

Die Arbeit des Freundeskreises erfreut sich in Gambia großer Wertschätzung und findet die Anerkennung allerhöchster Stellen.

In Moormerland wird die Arbeit des Freundeskreises mit großem Wohlwollen und Interesse von den Gremien der Gemeinde verfolgt. Das findet seinen Ausdruck in der Tatsache, dass die Gemeinde Moormerland auf Grund eines Ratsbeschlusses von 1993 die Schirmherrschaft über das Partnerschaftsprojekt übernommen hat und seitdem besonders unsere Bildungs- und Kulturarbeit unbürokratisch fördert.

Bei Seminaren, Dorffesten, Vortragsveranstaltungen und dem Fest „Fremde werden Freunde“ der interkulturell arbeitenden Initiativen im Landkreis Leer oder wo auch immer eine Gelegenheit sich bietet, ist der Freundeskreis bereit, das Projekt einer größeren Öffentlichkeit vorzustellen und näher zu bringen.

Es ist unser Anliegen, besonders bei jungen Menschen

  • Interessen zu wecken für andere Kulturen,
  • Vorurteile abzubauen,
  • Verständnis zu wecken für andere Lebensformen und
  • Solidarität mit denen zu üben, die auf der Schattenseite des Lebens stehen. Eine Welt, in der ein Drittel der Menschheit auf Kosten der Zweidrittel lebt, darf nicht so bleiben.

So entstanden Kontakte

  • zur KGS Schwanewede, die dann ein eigenes Projekt mit einer Schule in Brikama aufbaute,
  • zur Realschule Ratekau (S-H), die in der Vergangenheit mehrfach den Erlös von Schulveranstaltungen für bestimmte Vorhaben der SUBS zur Verfügung gestellt hat,
  •  zu einer Schweizer Afrika-Initiative, die von  Studenten aus St.Gallen ins Leben gerufen war.

Dankbar sind wir auch für die gute Zusammenarbeit in der Vergangenheit mit der Schule Moormerland.

Wir haben in der Vergangenheit  darüber hinaus Hilfe und Unterstützung erfahren dürfen,

Beispielhaft für die vielen Unterstützer sagen wir

  • unseren Mitgliedern, die über all die Jahre ihrer Zugehörigkeit zum Freundeskreis durch ihre Beiträge und Spenden unser Engagement in Sukuta unterstützt und gefördert haben,
  • den vielen Spendern, die durch ihre Spenden die Realisierung vieler Projekte ermöglicht haben; namentlich möchte ich hier stellvertretend Frau Dr. Anna Stelthove-Fend, Dieter Baumann und Familie Santen nennen,
  • der Gemeinde Moormerland, „unserem“ Schirmherrn, für das Interesse an unserer Arbeit und für die Unterstützung, die wir oft erfahren haben,
  • den Schülern und Jugendlichen, die durch die Teilnahme an Sponsorenläufen so großartige Ergebnisse erzielt haben, und deren Sponsoren, die die gegebenen Zusagen eingehalten haben,
  • den Institutionen, den Vereinen, Gruppen und Geschäftsleuten in Iheringsfehn und Warsingsfehn, die durch das Mitwirken an gemeinsamen Festen zum Erfolg unserer Arbeit beigetragen haben,
  • den Seniorenkreisen und kirchlichen Gruppen, denen wir unsere Arbeit vorstellen durften,
  • der Kirchengemeinde Iherings-/Boekzetelerfehn für die überaus gute Zusammenarbeit,
  • den Schülerinnen und Schülern, dem Kollegium und dem Förderverein der Grundschule Iheringsfehn für die verschiedenen Aktionen zugunsten des Partnerschaftsprojektes
  • dem SV Werder-Fan-Club aus Moormerland und dem SV Warsingsfehn für die Ausstattung der Jungen- und Mädchenfußballmannschaften der Sukuta Upper Basic School mit Sportkleidung
  • und den ungenannt gebliebenen Förderern und Unterstützern

von Herzen Dank für die Unterstützung in den vergangenen Jahren und hoffen auf Ihr Wohlwollen auch für die vor uns liegende Arbeit.

Aber alle Erfolge in Sukuta wären nicht möglich, wenn dort nicht kompetente und verlässliche Partner über all die Jahre hervorragende Arbeit geleistet hätten! Nennen möchte ich stellvertretend die erste Schulleiterin Mrs. Fowlis, den damaligen PTA-Chairman Mr. Ousman Cham und den heutigen Schulleiter Mr. Sanneh und den heutigen PTA-Chairman Mr.Bojang. Sie haben sehr gewissenhaft die Spendengelder eingesetzt und damit viel erreicht.  Die Präsentation wird Ihnen zeigen, dass mit den relativ geringen Mitteln – wir sprechen hier über einen Gesamtbetrag von nicht mehr als 85.000 €  in 23 Jahren -, die wir zur Verfügung stellen konnten, sehr viel erreicht wurde.  Dafür gebührt ihnen allen unser Respekt und unser aufrichtiger Dank!

Aber auch in unseren Reihen gibt es engagierte Menschen, denen ich heute von Herzen danken möchte für ihren Einsatz:

  • bei Johanne Veentjer, die vom Gründungstag an als 2.Vorsitzende im Vorstand mitarbeitet und besonders im organisatorischen Bereich mir viel Arbeit abgenommen hat,
  • bei Dr. Anna Stelthove-Fendt, die unser Bibliotheksprojekt ins Leben gerufen und mit viel Herzblut und Engagement und persönlichem Einsatz die Bibliothek aufgebaut hat (sie wird später darüber berichten),
  • bei unserm Schriftführer Matthias van der Wall, der schon als Schüler der Schule Moormerland in der Gambia-AG aktiv mitgearbeitet hat und jetzt schon seit Jahren, obwohl in Bremen wohnend, mit großem Engagement im Vorstand mitarbeitet,
  • bei den Vorstandsmitgliedern und ehrenamtlichen Helfern, die über all die Jahre durch ihre Mitarbeit unseren Einsatz zugunsten der SUBS möglich gemacht haben.

Dankbar erinnern wollen wir auch an die aktiven Mitglieder, die der Tod aus unserer Mitte gerissen hat,

  • Brigitte Thileker,
  • Heidi Runkel,
  • Karin Niemeyer,
  • Ruth Schneider- Matthiessen
  • Ria Manssen.

Ihr Engagement wird unvergessen bleiben.

Meine Damenund Herren,

mit der Fertigstellung der Assembly-Hall, also einem Schulversammlungsraum, der auch als Veranstaltungsraum für Seminare, Weiterbildungen, Familienfeiern oder Konzerte vermietet werden könnte, dem weiteren Ausbau der Bibliothek, der Ausstattung der Schule mit einer neuen „Computer-Generation“ und dem Bau eines Ausbildungszentrums für die Schulabgänger in Sukuta haben wir uns noch viel vorgenommen. Bisher haben woir keine öffentlichen Gelder in Anspruch genommen, aber diese Projekte können wir kurzfristig und auch mittelfristig nicht alleine schultern. Wir hoffen und rechnen aber mit Ihrer Hilfe und Unterstützung, wo auch immer Sie tätig sind: in der Gemeinde, im Landkreis, in Brüssel, Berlin oder Hannover.

 

Ich danke Ihnen, dass Sie mir so geduldig zugehört haben.

Profil

Freundeskreis Sukuta-Moormerland e.V.

Autor

Holger Schneider