Afrikakolloquium: Digitale Archive, Kulturerhalt und digitale Forschungs- und Bildungs-Ressourcen

Bakary Kebba Sidibe sammelte in Gambia insbesondere orale Kulturtraditionen, die nun archiviert werden. Vortrag von Prof. Dr. Henning Schreiber, Uni Hamburg.

Das gezielte Sammeln von Materialien, Gütern, Kulturtechniken oder Daten zur Bewahrung und Tradierung von Wissen wird in unseren europäischen Gesellschaften seit Jahrhunderten praktiziert. Insbesondere seit der Renaissance ist der Aufbau systematischer Sammlungen sowohl materiellen als auch immateriellen Inhaltes als Kulturpraxis etabliert und wird von den Natur- und Geisteswissenschaften bis zu den schönen Künsten zu Wissensaufbau, -erhalt und -vermittlung eingesetzt. Anders stellt sich die Situation auf dem afrikanischen Kontinent dar. Hier sind umfangreiche Sammlungen aus unterschiedlichen Gründen die Ausnahme, auch wenn umgekehrt gerade Kulturerzeugnisse aus Afrika zu hochbegehrten Sammlerobjekten zählen und weltweit in wissenschaftlichen oder ethnographischen Sammlungen vertreten sind. Säkulare afrikanische Sammlungen sind selten und bis heute gibt es nur wenige afrikanische Sammler, die sich auf diesem Weg für die Bewahrung kultureller Überlieferung engagieren. Nicht zuletzt deshalb stellt die von Bakary Kebba Sidibe nach der Unabhängigkeit in Gambia initiierte Sammlung eine außerordentliche Ausnahme dar. Mit einem Schwerpunkt auf oralen Kulturtraditionen dokumentiert das Archiv Originalaufnahmen zu westafrikanischer Geschichte: Neben einigen Objekten materieller Kultur umfasst die Sammlung ca. 5400 Stunden Audioaufnahmen (Tonbänder und Tonbandkassetten) an Aufzeichnungen in gesprochener Sprache und einen Bestand von geschätzten 1500 Transkripten und schriftlichen Quellen und Textmaterial zur Geschichte und Kultur Senegambiens, Guineas und Malis.

Ziel des von der Gerda Henkel Stiftung finanzierten Projekts am Hamburger Zentrum für Sprachkorpora ist die umfassende digitale Archivierung des NCAC National Digital Archive als konkreter Beitrag zum Kulturerhalt in Afrika. Darüber hinaus möchte das Projekt die Archivmaterialien nicht nur für die Forschung sondern auch für Bildungseinrichtungen in Gambia und eine breite Öffentlichkeit zugänglich machen. Der Vortrag soll das Projekt und den Datenbestand selbst, aber auch Workflows und korpuslinguistische Aspekte der Datenannotation vorstellen und diskutieren.

Alle Interessierten sind eingeladen!

Link https://www.iaaw.hu-berlin.de/de/region/afrika/veranstaltung/termine/08-05-afrikakolloquium-digitale-archive-kulturerhalt-und-digitale-forschungs-und-bildungs-ressourcen-das-ncac-national-digital-archive-of-the-gambia
Veranstalter Institut für Asien- und Afrikawissenschaften der HU Berlin

Profil

Bibliothek Sukuta Moormerland

Datum

08.05.19, 16:15–17:45 Uhr

Veranstaltungsort

Institut für Asien- und Afrikawissenschaften (IAAW), Raum 410
Invalidenstr. 118
10115 Berlin
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